Neu bei Servus in da City

Kuriose Welt ‒ Broadway

Auch das Ungewöhnliche hinter den Kulissen verdient eine Bühne, wie die wirklich einzigartigen Jobs am Broadway zeigen. Bei Schauspielern, Tänzern, Bühnenbildnern, Regisseuren und Musikern weiß jeder, was sie machen. Doch habt ihr schon mal von Eingipsern, Tortenberatern, Maskenmännern oder Experten mit Grünspan gehört? Servus in da City bis vor Kurzem auch nicht… Dabei sind sie für den Erfolg einer Aufführung unverzichtbar.

Die Kuchenberaterin

Ihr Name sollte im besten Fall als Tänzerin im Broadway-Programmheft (den sogenannten Playbills) stehen. Doch Stacy Donnelly sattelte um, gründete ihre eigene Bäckerei – und bekam trotzdem ihren Eintrag ins Broadwaybuch: als Kuchenberaterin. „Waitress“ ist die wohl süßeste Verführung seit es den Great White Way gibt. Die Füllung locker aufgeschlagen aus Romantik und Herz, das Topping fein drapiert aus Freundschaft und fertig ist das ofenfrische Ergebnis des Brooks Atkinson Theatre. Hier dreht sich alles um die anrührende Geschichte über die Kuchenbäckerin Jenna, die sich nach einem Neuanfang und einem Weg raus aus ihrer lieblosen Ehe sehnt. Sämtliche Leckereien für die Bühne werden dabei von Donnelly und ihrem achtköpfigen Team gebacken. Daneben kommen auch die kleinen Küchlein im Marmeladenglas, die im Theater für zwölf US-Dollar verkauft werden, aus ihrer Backstube. Insgesamt sind das jede Woche rund 30 ganze Kuchen und 2.000 Desserts im Gläschen. Zudem brachte Donnelly den Darstellern das Teigkneten bei und zeigte ihnen, wie man einhändig ein Ei aufschlägt.

Der Grünifizierer

Grün ist das neue Schwarz! Zumindest bei der Broadway-Sensation „Wicked“ im Land Oz. Lange bevor von Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“ die Rede war, gab es ein anderes Mädchen – eines, das schlau und engagiert ist, aber mit grüner Hautfarbe und einem besonderen Talent geboren wurde. Herr über den Farbtopf ist Craig Jessup. Als Make-up Designer der Show verwandelt er die Darstellerin Show für Show innerhalb von 30 Minuten in die böse Hexe des Ostens – ein Wunder, dass er bis heute dafür noch nicht verhext wurde.

Der Knochenretter

Hals- und Armbruch! „Dear Evan Hansen“ – eine Anrede, drei Worte, die ein ganzes Leben verändern, und ein Plot, der der heutigen Gesellschaft schonungslos den Spiegel vorhält. Das erschreckend reale Broadway-Drama erzählt die Geschichte des High School Schülers Evan, der für eine wahre Identität und zwischenmenschliche Beziehungen inmitten der Social Media-Welt kämpft. Markantestes Bühnenutensil ist der echte Gipsarm des Evan Hansen-Darstellers. „Wenn mir früher jemand gesagt hätte, ich würde mal Gipse für den Broadway herstellen, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, so Daniel Scott Mortensen, der bis heute über 400 Stück jener Requisiten geformt hat. Da der Gips in jeder Show live beschriftet wird, muss er für den nächsten Auftritt wieder neu gemacht werden – achtmal pro Woche.

Der Maskenmann

Er macht nur halbe Sachen: Rodney Gordon fertigte gemeinsam mit seinem Team bereits 200 Stück der berühmten weißen Maske an, die eine Gesichtshälfte des Hauptdarstellers aus „Das Phantom der Oper“ verdeckt – dem mit 31 Jahren bis heute am längsten gespielte Stück am Broadway. Wann immer ein neuer Schauspieler in die Rolle des Phantoms schlüpft, muss Gordon die ikonische Requisite neu anfertigen – passgenau nach einem Abdruck des Gesichts. 90 Minuten dauert es dann, bis sich der Darsteller in das Wesen aus den Katakomben der Pariser Oper verwandelt.

Welchen Job würdet ihr denn wählen? Tom steht ja am liebsten als verrückter Hutmacher bei der Teeparty (“Alice im Wunderland”) selbst auf der Bühne. Steffie backt hingegen kleinere Brötchen… ach nee, Kuchen! Vorausgesetzt beim Teig schlecken bleibt was übrig…

Copyright Fotos: Joan Marcus (Wicked, Waitress); Matthew Murphy (Dear Evan Hansen, Das Phantom der Oper) / The Broadway Collection

Das sind wir! Steffie & Tom