Neu bei Servus in da City

Ein Bayer in der Unterwelt

Servus in da City freut sich über Gastautoren: Kreative Talente, die sich ausprobieren wollen. Junge Schreiberlinge, die sich trauen. Und auch bekannte Persönlichkeiten, die uns einen etwas anderen Einblick gewähren. Weil Tom nicht ohne Stephanie kann, ich (Steffie) aber auf Pressefahrt war, hat er seine liebe Schauspielkollegin Stephanie Lexer (bekannt aus u. a. Der Bozen-Krimi, Der Alte, Der süße Brei) zur BR-Aufzeichnung des Komödienstadels eingeladen. In ihrer Kritik nimmt sie uns mit auf eine Reise nach…

Ja, wohin denn eigentlich, Stephanie?

In die Hölle

Richtig gelesen: „in die Hölle“. Denn die Unterwelt ist das Setting der Inszenierung von Regisseur Thomas Stammberger, der das Stück auch geschrieben hat. Vorneweg: Der Komödienstadel wird in diesem Jahr sage und schreibe 60 Jahre alt. „Ein Bayer in der Unterwelt“ ist dabei die Jubiläumsausgabe.

Das besondere Highlight ist bestimmt die Besetzung, denn die besteht ausschließlich aus den bekannten Dahoam is Dahoam-SchauspielerInnen. So sind Ursula Erber, Hermann Giefer, Sophie Reiml, Werner Rom, Ferdinand Schmidt-Modrow, Tommy Schwimmer, Bernhard Ulrich und Holger Wilhelm aus dem TV-Ensemble vertreten.

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Story: Ab geht’s also in die Unterwelt und zwar zum Teufel höchstpersönlich, großartig gespielt von Tommy Schwimmer. Dieser Jung-Teufel regiert sein Höllenreich aber nicht alleine – theoretisch schon, praktisch kann sein Vater das Zepter allerdings noch nicht so ganz abgeben. Zusätzlich verfolgt der Teufel-Vater noch einen ganz anderen Plan für das gemeinsame Herrschaftsgebiet. Zusammen bauen sie an einem Tunnel – wofür er genutzt werden soll, steht auf einem ganz anderen Blatt. Natürlich ruinieren sich Teufel Junior und Senior aber nicht selbst das eigene Kreuz, sondern können sich auf die Menschen verlassen, die tagtäglich in der Unterwelt eintrudeln. Der Mensch ist nun mal per se „schlecht“, daher mangelt es kaum an kostenlosen Arbeitskräften für die „niederen Dienste“. So verschlägt es auch einen der Hauptcharaktere, gespielt von Bernhard Ulrich, hierher. Seine Figur ist beim Versuch, es seinem werten Schatzi mit einer Herdreparatur endlich mal Recht zu machen… na, ihr werdet es schon sehen, da will ich nicht zu viel verraten…
Dass jeder Seinesgleichen sucht, wird spätestens dann deutlich, als ihm Schatzi nach unten in die Hölle folgt. Die Hölle wäre jedoch nicht „Unten“, wenn es kein „Oben“ gäbe und deshalb dürft ihr auch hohen Besuch aus dem Himmel erwarten.

Fazit zum Sonntag

Generell bietet der Abend jede Menge Gelegenheiten, den SchauspielerInnen bei ihrer wunderbaren Arbeit zuzusehen. Wenn ich hier von SchauspielerInnen schreibe und dabei das Binnen-I verwende, so bleibt mir leider doch an der einen oder anderen Stelle die Lachmuskulatur etwas eingefroren, denn die weiblichen Charaktere sind äußerst rar gesät. Damit meine ich, so gut wie nicht existent. Man könnte das Stück auch „5 Männer, 1 männlicher Engel und 1,5 Frauen“ nennen. Wieso sage ich dies so böse? Weil die einzig wirklich vorkommende Frauenfigur zusätzlich noch mit sehr vielen Klischees und Stereotypen zu kämpfen hat. An dieser Stelle sei allerdings auch das bezaubernde Spiel von Sophie Reiml erwähnt, die mit diesen Momenten wirklich ausgezeichnet und liebevoll umzugehen weiß.

Wieso aber nun „1,5 Frauen“? Ganz einfach: Die junge Schauspielerin darf die wesentlich präsentere der beiden Frauenrollen innehalten, wohingegen es die Großmama nur vereinzelt mal auf die Bühne verschlägt. An manchen Stellen wirkt es fast so, als wäre die Oma sogar lediglich aufgrund der Publikumsbeliebtheit von Ursula Erber eingebaut. Die restlichen Geschäfte machen die Männer unter sich aus.
Versteht mich hier bitte nicht falsch… viele Klischees entspringen ja einem wahren Kern und damit kann, soll und darf man gerne spielen. Im Jahr 2019 erwarte ich aber, sowie durchaus auch einige andere Stimmen nach der Aufführung, ein gewisses Bewusstsein dafür. Und wenn man sich schon entscheidet, dieses Stück auf diese Art und Weise zu erzählen, könnte man dann nicht zumindest auf ein etwas ausgewogeneres Ensemble achten? Oder liegt es daran, dass Frauen immer im Himmel landen und nur die Männer in der Hölle? Ich glaube kaum.

Dieses und mehr wurde auch im Nachgang kontrovers diskutiert, nicht nur von den weiblichen Besucherinnen wohlgemerkt. Das bleibt indes aber auch der einzige, wenngleich hartnäckige Kritikpunkt eines ansonsten unterhaltsamen Abends. Einig sind sich aber alle, dass die SchauspielerInnen eine tolle Performance abliefern. Einzuschalten lohnt sich in jedem Fall. Schon alleine, um sich selbst ein Bild davon zu machen.

Teuflisch gute Unterhaltung und ein himmlisches Vergnügen

Entscheidet selbst, mit wem ihr euch solidarisiert, über wen ihr am meisten lachen und schmunzeln könnt und welchen Teufelsplan ihr verfolgt hättet. Ob ihr euch wohl auf die Seite von „Oben“, „Unten“ oder aber „Mittendrin“ (nämlich den Menschen selbst) geschlagen hättet? So viel darf noch verraten werden: Auch die Menschen sind in diesem Stück mit allen Wassern gewaschen.

Einmal Unterwelt und zurück… mit einem waschechten Bayer wie Tom an meiner Seite natürlich eine umso lustigere Reise.

TV-Termin: 20. Oktober, BR, 20:15 Uhr oder in der Mediathek.

Copyright Fotos: BR

Kreative Talente, die sich ausprobieren wollen. Junge Schreiberlinge, die sich trauen. Und auch bekannte Persönlichkeiten, die uns einen etwas anderen Einblick gewähren.