Neu bei Servus in da City

Griaß di, Brandner!

Das Phänomen „Brandner Kaspar“. Anders kann man die Geschichte von Franz von Kobell, die Jahr für Jahr in sämtlichen Fassungen im Fernsehen zu sehen ist, nicht beschreiben – ob mit Paul Hörbiger („Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies“, 1949) oder dem Kult-Trio Toni Berger als Boandlkramer, Fritz Straßner als Brandner Kaspar und Gustl Bayrhammer als heiligen Portner („Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“, 1975).

Mogst a an Kerschgeist?

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So in etwa müsste der Gedanke des Volkstheater-Intendanten Christian Stückl gewesen sein, als er sich 2005 an das legendäre Kultstück heranwagte. Mit Erfolg! Denn noch immer wird jede einzelne ausverkaufte Aufführung im Münchner Volkstheater zu Recht bejubelt.

Kurz erzählt: Der Brandner Kaspar (Alexander Duda), ein bayerischer Bazi mit viel Freude am Leben, füllt den zahnlückigen Boandlkramer (als zerzaustes, fast schon liebenswertes Rumpelstilzchen großartig gespielt von Maximilian Brückner – ein anfangs befürchteter Vergleich zum Boandlkramer schlechthin Toni Berger kommt gar nicht erst auf), mit Kerschgeist ab und bescheißt ihn anschließend beim Kartln um weitere 18 Lebensjahre. Als der Schwindel im Himmel auffliegt, soll der „Boandl“ den Dickschädel Brandner ins Paradies locken – tot oder lebendig. Eine schwere Aufgabe für den immer ehrlichen Tod. Deshalb verspricht er dem Brandner, dass er ins Paradies mal kurz reingucken darf. Und natürlich möchte er mit Freuden oben bei den Engeln (den fabelhaften Riederinger Musikanten, verkleidet als weißwurstzuzelnde Engelchen) bleiben. Doch der schräge, mit Schminke zugekleisterte Erzengel Michael (Hubert Schmid) weiß, dass aufs Lügen und Betrügen Fegefeuer steht. Mit dem „Boandl“ als Verteidiger, kämpft der Brandner um sein Glück…

Fazit von Servus in da City

Christian Stückl hat es geschafft: Aus einem einst disziplinierten, lustigen Bauernstück mit tieferem Hintergrund wurde ein urkomisches, modernes Werk, bei dem jeder Zuschauer a Gaudi hat. Genauso genial sind auch Maske und Requisite mit der fichtendunklen Fototapete als Bühnenbild oder dem Himmelstor. So verwundert es nicht, dass die Darsteller nach über drei Stunden harter Arbeit jedes Mal das bekommen, was sie verdienen: tobenden Applaus und keinen Zweifel daran, dass diese Aufführung längst Kult geworden ist. 

Eine Komödie um Leben und Tod

Dass der Klassiker nicht nur auf bayerischen Bühnen daheim ist, hat dann wiederum die Kinoadaption „Die Geschichte des Brandner Kaspar“ unter der Regie- und Kameraarbeit von Joseph Vilsmaier 2008 bewiesen, mit Michael Bully Herbig in der Hauptrolle. „Mir hat diese Rolle so viel Spaß gemacht, dass ich sie unbedingt noch einmal spielen wollte“, so Herbig. Gesagt, getan. Denn zusammen mit Entertainer Hape Kerkeling steht er gerade für die Fortsetzung der Abenteuer des Boandlkramers vor der Kamera. Während der Brandner sein Glück im Jenseits gefunden hat, verliebt sich der Tod ausgerechnet in eine Frau, die sterben soll. Zugegeben – der Stoff ist nicht ganz frisch (wir denken da an „Rendezvous mit Joe Black“, wo dem jungen Brad Pitt der Kopf verdreht wird), aber wir freuen uns schon jetzt auf den Kinostart in 2020. Bis dahin werden wir sicher noch mal den Bühnenhit von Christian Stückl „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ besuchen. Schnell sein, ist allerdings gefragt. Die Tickets sind in Nullkommanix weg. Deshalb regelmäßig im Programm vom Münchner Volkstheater stöbern.

Copyright Fotos: Arno Declair; Gabriela Neeb / Münchner Volkstheater

Das sind wir! Steffie & Tom